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Kolumnen

Matthäus Hose

01. April 2020 | Autor: Matthäus Hose

AH

„Frauen werden älter, Männer interessanter“, so lautet ein besonders dämliches Klischee. Wie interessant ein Haufen reiferer Herren sein kann, sieht man sonntags auf manchem Fußballplatz, wenn die AH aufläuft. AH steht für ... Matthäus Hose

„Alte Herren". Also, wenn je elf Herren mit weit über mindestens 32 Jahren in Fußballtrikots, Stutzen und ehemals weiten, aber sehr kurzen Hosen über den Rasen traben. Eines der letzten Tabu-Themen unserer Tage. Man kann heute über fast alles Witze machen oder zumindest ein saublödes Youtube-Video hochladen. Doch Männer im besten Alter, die einer ehemaligen Schweinsblase nachlaufen, da hört sich der Spaß auf.

TSV W vs. TSV H (Namen sind der Redaktion bekannt) treten auf dem Platz des TSV W um 10h30 aufeinander los.

Wenn nach 10 Minuten langsam die Trikots den Bauch hochrutschen, ist auch dem letzten Zuseher (Gruß an Österreich) klar, wo die physikalischen Grenzen des Elasthan im Sportbekleidungsbereich liegen und dass Arjen Robben wirklich schlanker ist als die meisten Ü40-Hobbysportler.

Kurz vorm Halbzeitpfiff endlich der erste Kreuzbandriss. Auf diesem Niveau kein echter Schocker. Der lädierte Jupp wird mehr oder weniger rausgerollt und muss noch eine knappe Stunde an der Außenlinie ausharren, bis ihn wer ins Krankenhaus fahren kann. Das Match dauert ja noch ein bisschen. Wird schon nicht so schlimm sein. Schließlich steht es auch 43 Fehlpässe später immer noch nullnull. Der blonde Engel, er trägt als Hommage an Zico selig seit der F-Jugend die Nummer 10 am Buckel, trabt beckenbaueresk über das ziemliche Grün. Die Zeit rinnt. Wenn man vorne zu viel Manndeckung macht, brennt es hinten bisweilen. Dem Doppelsechser ist eh schon länger kalt an den Schenkeln, da passiert´s: Die Viererkette am Todesstreifen beim 16er entspannt sich und Blondie spielt den Pass seines Lebens – aus dem Fußgelenk in den extrem freien Raum. Da keiner läuft, denkt sich Rudi, der 120-Kilo Neuner, sei´s drum „ Dann hau ich ihn halt rein". Die Regenwürmer ducken sich, zu spät. Rudi drischt drauf, das Gras fliegt und irgendwann danach auch der Ball. Unhaltbar für Olli, den Keeper, den sie hier alle bloß Tyson nennen, weil er mal einem bei der Ecke ins Ohr gebissen hat. Bis Tyson zu Boden sinkt, ist der Ball im Netz, und Triiiiiieeeeeelll, der Schiri bläst ins Hartplastik.

Aus. Aus. Das Spiel ist aus. TSV W hat die Sportsfreunde vom TSV H ebenso haushoch wie verdient 1-0 vom Platz gefegt. Zeit für isotonische Getränke. Zeit für Weißbier. Jetzt fahren sie noch schnell Jupp ins Krankenhaus und dann heim zu Mutti. Um 13h30 muss man ja daheim sein, da spielt 1860 München. Ein bis zwei Ligen höher, aber vom Stil her ähnlich :-).

Auf die deutsche Sportkameradschaft ein dreifaches Hip Hip Hurra wünscht

Ihr
Matthäus Hose

PS: Ähnliche Phänomene gibt es auch im Radsport. Unter allen Einsendern, die wissen für was das Akronym „MAMIL" steht und die Lösung bis zum 30.4.2018 per E-Mail an mhose@weka-fachmedien.de schicken, verlosen wir ein Retro-Trikot der Niederlande 1977. (Bitte Größe angeben. Achtung, fällt zwei Nummern kleiner aus!)

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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