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Kolumnen

Uwe Bauer, Vorstand von aetka

04. Mai 2012 | Autor: Uwe Bauer

Tödliche Gefahr

Sie kommen von allen Seiten, aber nicht aus dem All. Sie sind hartnäckig - einmal da, sind sie nicht mehr weg zu bekommen. Sie sind von Menschen gemacht und ein Angriff auf unsere Handlungsfähigkeit. Im normalen Leben sind sie lästig, im Fernsehen überflüssig und im Geschäft schädlich. Sie heißen Killerphrasen und sind mitten unter uns. Uwe Bauer, aetka

Wie oft hatten Sie ein weiteres Treffen mit einem Geschäftspartner, der nach dem ersten zu Ihnen sagte: „Lassen Sie uns in Kontakt bleiben!"? Kein einziges Mal?! Nicht überraschend! Genau das ist die Krux.

Die gut gemeinte Antwort nach einer Reklamation „Sie hören von uns!" etwa könnte man als Drohung auffassen. Dabei wäre sie noch die bessere Variante als in 99 Prozent der wirklichen Reaktion, denn diese ist oft ziemlich unerhört.

Auch ist es sicher unheimlich hilfreich, bei einer Bitte um Hilfe zu hören „Dafür bin ich nicht zuständig". Hier scheinen Killerphrasen von Behörden direkt ins reale Leben übergesprungen zu sein. So gefährlich sind die Biester! Sie übertragen sich auch immer weiter, vererben sich sogar. Selbst Ihr Uropa hat schon taktvoll diese versöhnlichen Worte zu seiner Ex gesagt, als er sie gerade auf den Mond schoss: „Lass uns Freunde bleiben!". Und hat es bei ihm oder Ihnen funktioniert? Ja klar, tolle Freundschaft!

Aber zurück ins Geschäftsleben. Toll, wie wir alle maßgeschneiderte Lösungen und individuellen Kundenservice anbieten. Neben exklusiver Beratung und Befriedigung der Kundenbedürfnisse heben wir auch noch bei bester Kompetenz den Servicelevel. Genau das, was der Kunde braucht. Muss er ja, denn das sagen ja alle!

Das klassische Vertreterdeutsch ist eine in sich verschworene Killer-Vokabolik. „Tach schön, wie geht es Ihnen?" „Danke gut, und selbst?". Machen Sie sich mal den zweifelhaften Spaß und antworten Sie auf die Frage nach dem Wohlbefinden, wie es Ihnen wirklich geht. Wie es tief in Ihnen aussieht, wie der dritte miese Monat hintereinander Ihnen ans Eingemachte geht. Und wie sehr es nervt, wenn gerade jetzt noch das Serviceproblem wegen Inkompetenz nicht gelöst werden konnte und das Gerät nach dem dritten Schreiben spurlos verschwunden ist. Ohne Abliefernachweis! Und das erzählen Sie bitte 45 Minuten lang! Das ist das wirksame Gegenmittel gegen Killerphrase 42 „Wie geht es Ihnen?".

Sollte das nicht helfen, können Sie noch schärfere Waffen zücken. Setzen Sie einfach selbst geschickt die Mutter aller Killerphrasen ein, idealerweise dann, wenn vom Vertreter ein Verbesserungsvorschlag kommt: „Nein, das geht nicht. Das haben wir schon immer so gemacht". Spätestens jetzt ist er fertig und hinterlässt wortlos den Auftragszettel mit den Bestkonditionen.

Wenn Sie bzgl. eines Problems einen Lösungsvorschlag erhalten der mit „Ja, aber..." beginnt, dann fassen Sie sich ein Herz. Fordern Sie bei dieser Antwort umgehend Ihr Problem zurück und laufen Sie schnell, so schnell sie können weg. Damit sich wenigstens was bewegt.

Abends bei der Geburtstagsparty können wir dann richtig abschalten – aber nicht bevor wir eine kurze Begrüßungsrede an die 12 Gäste gerichtet haben. Was auch immer sinngemäß ausgedrückt werden soll. Der Wortlaut steht schon fest: „Ich freue mich, dass Ihr so zahlreich erschienen seid und wünsche Euch viel Spaß und gute Unterhaltung!".

Haben Sie noch nie erlebt? Dann Glückwunsch zur guten Wahl Ihrer Freunde!

„Stets bemühte" Grüße, ;-)

Ihr

Uwe Bauer

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